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KNOW-HOW:

BEISSUNFÄLLE - STATISTIKEN

 

Seit der Einführung von Rassetypelisten 

Aktuelle Zahlen zeigen deutlich auf, dass diese Rassetypenlisten zu keinerlei Besserungen in der Problematik der Beissunfälle von Hunden geführt haben. Zudem verdeutlichen Statistiken aus unterschiedlichen Ländern der Welt , welch einen kleinen Anteil Bisse von Listenhunden im Vergleich zur Gesamtheit an Beissunfällen ausmachen.

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Eine Studie des Veterinäramtes des Kantons Zürich belegt anschaulich, dass die Anzahl an gemeldeten Beissvorfällen von Hunden an Menschen seit der Klassifizierung von Hunden nach Rasse sowie der Einführung von Haltebewilligungen für Hunde verbotener Rassetypen nicht gesunken ist, sondern sogar noch gestiegen ist.

Dies obwohl die Zahlen des kantonalen Veterinäramtes deutlich aufzeigen, dass Hunde der Rassetypenliste II (im Volksmund fälschlicherweise als Kampfhunde bezeichnet) langsam aussterben in der Schweiz. 2010, nach Einführung des Hundegesetzes, waren 350 Tiere im Kanton Zürich registriert. 2014 waren es 284 und Ende letzten Jahres noch 259 Hunde.

[Quelle: Tagesanzeiger vom 03.03.2016, Martin Sturzenegger, Kampfhunde sterben langsam aus, http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/kampfhunde-sterben-langsam-aus/story/13701826]

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Auf eine Anfrage der Grünen Abgeordneten Claudia Hämmerling hat das Abgeordnetenhaus folgende Zahlen im Juni 2016 publiziert:

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„Im Jahr 2014 wurden insgesamt 601 Menschen gebissen oder gefahrdrohend angesprungen sowie 445 Hunde gebissen, davon 28 Menschen und 45 Hunde von gefährlichen Hunden (sog. Listenhunde). Eine weitergehende Differenzierung der Bissvorfälle ist der Antwort auf die Schriftliche Anfrage Nr. 17/16106 zu entnehmen. Im Jahr 2015 waren es 584 Menschen und 485 Hunde, die durch Hunde verletzt wurden, davon 32 Menschen und 65 Hunde durch gefährliche Hunde (sog. Listenhunde). “

[Quelle: http://www.claudia-haemmerling.de/2016/s17-18817.pdf]

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Rechnet man dies um zeigt sich, dass 2014 gerade mal 4,65% der gemeldeten Vorfälle zwischen Hund und Mensch einen sogenannten Listenhund involvierten. 2015 waren es 5,47%. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass gemeldete Beissvorfälle nur zu rund 5% von Hunden aus Rasselisten ausgingen.

Des Weiteren betreffen gemäss einer Studie von Kenneth W. Kizer (Epidemiologic and Clinical Aspects of Animal Bite Injuries) 85 % der Beissunfälle den Hundehalter selbst, ein Familienmitglied oder einen Bekannten. Es handelt sich also um eine Art Selbstgefährdung, wenn man sich einen Hund kauft. Nur gerade 15% aller Unfälle schädigen demnach Drittpersonen. Wir haben vorhin gesehen, dass nur rund 30 (5%) aller Hunde die an Beissvorfällen beteiligt sind, sogenannte Listenhunde sind.

 

Nimmt man nun von diesen 5% nur jene 15%, die eine Drittperson schädigen, so landen wir bei 4,5 Hunden (0,75%), welche in den vergangenen Jahren in Beissvorfällen mit Drittpersonen involviert wurden. Nur 0,75% dieser Hunde beissen also im Jahresverlauf jemand ausserhalb ihres Umfeldes. Positiv gesagt: 99,25% beissen nicht und wenn, dann niemanden ausserhalb ihres Umfeldes. Diese 99,25% können also kaum als Gefahr für die öffentliche Sicherheit bezeichnet werden.

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Dies zeigt sich auch deutlich, wenn die Anzahl an Hundebissen in Berlin über einen Zeitraum von 9 Jahren analysiert wird und visuell verdeutlicht wird. Es wird klar ersichtlich, wie klein der Anteil an Hundebissen von sogenannten Listenhunden im Vergleich zur totalen Anzahl an Bissen ist.

Es gilt dabei anzumerken, dass auch diese Statistik mit einem kritischen Auge begutachtet werden muss.

Einerseits, da sie nur gemeldete Vorfälle umfasst. Dies verzerrt die Realität der Beissunfälle massgebend, was daran liegt, dass die meisten der gemeldeten Fälle beim Veterinäramt durch Tierärzte gemeldete Fälle sind. Tierärzte unterliegen der Pflicht, Beissvorfälle zu melden. Kleine Beissvorfälle, bei welchem Mensch und Tier nur leicht zu Schaden kommen und bei denen kein Arzt aufgesucht worden ist, werden deswegen meist nicht gemeldet. Würde man die Dunkelziffer der Beissvorfälle durch kleinere Hunde mit einbeziehen, so würde sich die Statistik nochmals deutlich verändern.

 

Andererseits ist es in Deutschland so, dass Beissvorfälle nach dem Verursacherprinzip (gleich wie bei Versicherungen) verzeichnet, also unabhängig von der Schuldfrage und der Ursache. Wenn ein kleiner Zwergspitz folglich einen ausgewachsenen Pitbull attackiert, weil er Angst vor grossen Hunden hat und der Pitbull wehrt sich und verletzt dabei den deutlich kleineren Zwergspitz, so wird der Beissvorfall dem Pitbull zugewiesen, obschon der Verursacher des Konfliktes eindeutig der Zwergspitz war. Dass kleinere Hunde sich in einem Kampf mit grösseren Hunden schneller verletzen, leuchtet dabei wohl jedem ein. Entsprechend verzerrt auch dieser Fakt die Statistik massgeblich, wodurch noch deutlicher wird, welch kleinen prozentualen Anteil sogenannte Listenhunde an Beissvorfällen in Deutschland haben.

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Ähnliche Zahlen finden sich in Statistiken rund um den Globus. Falls Sie Interesse an mehr konkreten Zahlen aus anderen Ländern haben, können wir Ihnen diese gerne zusenden.

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